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Zur Geschichte von Mustafa Sabri Efendi. Von Talha Bozkurt

Biografie: der letzte Schaikh Al-Islam

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Zu den Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, die die traditionellen Wissenschaften des Islam vorbildlich verkörperten, gehört sicherlich Schaikh Al-Islam Mustafa Sabri Efendi.

Mustafa Sabri, der letzte spirituelle Führer des osmanischen Reiches, wurde 1869 in Tokat geboren. Nachdem er in ­jungen Jahren den Qur’an auswendig lernte, machte er sich auf eine Reise nach Kayseri und Istanbul, um eine Grundlage für seine Suche zu stiften, die an ihrem Ende zur Ernennung als Schaikh Al-Islam führte, dem höchsten religiösen Amt.

Mustafa Sabri wurde zu einer Zeit in dieses Amt gebracht, als der osmanische Staat von innen und von außen angegriffen wurde. Seine umfassender Verstand und seine präzise Auffassungsgabe erlaubten es ihm, sich souverän mit den Attacken auseinanderzusetzen und einer militant laizistischen Bürokratie zu widersprechen, die – nachdem sie das osmanische Khalifat erfolgreich stürzte – ein System im Gegensatz zum religiösen schuf. Sein anhaltender Widerstand gegen das Regime, dass das islamische Gemeinwesen beendete, veranlasste es dazu, ihn ein für allemal zum Schweigen zu bringen. Das führte zur unausweichlichen Auswande­rung von Mustafa Sabri Efendi.

Ein Fluchtversuch in die rumänische Hauptstadt Bukarest verlief erfolglos und führte zur Einkerkerung und Anklage des Schaikh Al-Islam durch die religionsfeindlichen Behörden. Der Richter, der ihn nicht zum Tode verurteilte, sondern verbannte, begründete sein Urteil: „Ich kann es nicht ertragen, diesen Mann zum Tode zu verurteilen, weil seine Anstrengungen auf dem Weg seiner Überzeugun­gen stattfinden.“

Nicht nur das Verdikt, auch Mordversu­che, zwangen ihn, in einem nichtmuslimischen Land Sicherheit zu suchen. Mustafa Sabri schrieb an die benachbarten muslimischen Länder: „Ich bin Mus­tafa Sabri, der Schaikh Al-Islam des osmanischen Reiches. Ich habe keinen Reisepass. Ob als Gast oder als Flüchtling, möchte ich in Ihr Land einreisen.“ Seine verzweifelte Suche nach Hilfe verlief ergebnislos, aber dank einer glücklichen Begebenheit beim ägyptischen Konsulat in Athen erhielten der Schaikh Al-Islam und seine Familie doch noch ein Visum nach Ägypten. Mustafa Sabri Efendi starb 1954 in Kairo, wo er auch beerdigt wurde. Er hinterließ einen Schatz an Werken, die auch heute noch den Geist von Schülern und Gelehrten erhellen.

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Talha Bozkurt

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