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Zuviel Beiträge sind auf “Anerkennung” fokussiert. Ein Kommentar von Sulaiman Wilms

Die anschwellende ­Unverständlichkeit

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(iz). Es ist eine alltägliche Erfahrung, dass ­einzelne in der so genannten „mus­limischen Commu­nity” – deren einheitliches Selbstverständnis trotz Existenz dieses Begriffes in Frage gestellt werden darf – Schwierigkeiten haben, sich ausreichend verständlich zu machen. Dabei gibt es aber Abstufungen, die einen ­etwas genaueren Blick wert sind.

Wenn ich die Gelegenheit habe, freue ich mich immer, meine lokale Moscheegemeinde zu ­besuchen. Der dortige Imam ist in der Lage, seine Gemeinde beim Freitagsgebet oder den Feiertagen zu bündeln und spirituell zu bele­ben. Er wäre ein noch viel patenterer Vorbe­ter, wäre er in der Lage, sein Wissen in unser­er Sprache weiterzugeben. Damit könnte er nicht nur interessierte Besucher und ­Muslime anderer Nationalität für sich gewinnen, sondern auch eine Jugend, die mit seiner ­Heimat nur wenig zu tun hat. Auch wenn viele ­seiner Kollegen dieses Problem teilen, ließe es sich doch durch professionelle Sprachkurse und ­einen auf längere Zeitläufe angelegten Aufenthalt in Deutschland beheben.

Auf der nächsten Stufe finden sich die durchaus des Deutschen mächtigen Repräsentanten (und Meister der Selbstdarstellung) des – vermeintlich – „organisierten Islam”. In sprachlicher Hinsicht bestehen nur bei einer Minder­heit Verständnisprobleme, aber die meisten ver­wenden oft eine Art „Espe­ranto”. Dieses ist ­allein auf Anerkennung fokussiert und nicht mehr auf die Essenz ­unserer Religion. Immerhin, zumindest dem Anspruch nach ­lassen sie erahnen, dass unsere Lebensweise etwas mit Gemeinschaft und Anerkennung verbindlicher Denkregeln zu tun hat. Sie stehen formal für den Körper der muslimischen Lebenspraxis und nicht nur für rein subjektive Meinungen. Aber ihre Sprache dreht sich vor allem um öffentliche Leervokabeln wie „Integration” usw. Ein Rückbezug auf eine freie islamisch-rechtlich verwurzelte Lehre findet aber (zu) selten statt. Verständlich, denn dies würde die verbandspolitische Domi­nanz des Religiösen untergraben.

Am Ende dieser Entwicklung steht das unge­bundene Subjekt – irrelevant ob „liberal” oder „radikal”. Verbindliches Denken oder gar eine Prioritätenlehre fehlen. Es verwundert nicht, dass der individualisierte „Blogger” oder der ihm entgegengesetzte „Prediger“ kein Interesse mehr an der Zakat haben. Eine Vertei­digung dieser dritten – und heute scheinbar in Verges­senheit geratenen – Säule des Islam bedeutet logischerweise das Denken in Gemeinschaft und ein Festhalten an islamischen Verbindlichkeiten. Verzahnte Netzwerke mögen hilfreich sein – einen Ersatz für echtes muslimisches Leben stellen sie nicht dar.

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