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Zwischen Freiheit und Angst

KO Masombuka leitet eine Artikelreihe über Malcolm X ein

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Foto: Library of Congress

(iz). Vor einigen Wochen traf ich mich mit einigen Männern zu einer Diskussionsrunde. Das Hauptthema des Abends war, wie Männer in diesem Zeitalter ihre Männlichkeit retten können. Mein Freund schaute auf das Buch, welches ich für unser Gespräch mitgenommen hatte, welches das Leben von Malcolm X behandelt, und sagte: „Du musst Malcolm relevant für uns machen, er ist zu perfekt.“ Dies erinnerte mich an einen Kommentar des Autors, Alex Haley, der Malcolms Erzählung zu Papier brachte. Er sagte über ihn: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass er tot ist. Es fühlt sich für mich immer noch so an, als sei er bloß in ein nächstes Kapitel übergegangen, welches von Historikern geschrieben werden soll.

Alex Haley fordert uns, die heute leben, dazu heraus, Bruder Malcolm wieder aufzugreifen. Aber wieso sollen wir das Leben eines Mannes studieren, der im vergangenen Jahrhundert lebte, in einer Gesellschaft, die heute nicht mehr existiert? Wir sind heute mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert: Wir haben es mit einer  schwindenden Flora und Fauna zu tun, steigender Luftverschmutzung und Vergiftung der Ozeane, der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich und der wiederaufflammenden rassistischen Rhetorik seitens der Politik, die sich durch die Vielzahl an Flüchtlingen in die westlichen Länder speist. In Anbetracht dieser sich ankündigenden und bereits vorherrschenden Katastrophen stehen gewählte Staatsleute machtlos den Herausforderungen ihrer verschuldeten Nationalstaaten gegenüber.

Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit der Bevölkerung ständig von Nachrichtenagenturen beansprucht, deren Hauptsorge darum schwirrt, was in der letzten Stunde alles passiert ist. Der Blick der Gesellschaft wird dadurch schwammig und die Art, wie wir die Probleme unserer Zeit angehen, wird stark vom Narrativ der News geprägt. Ein Blick in die Vergangenheit hilft dabei, einen klaren und nüchternen Blick auf unsere Lage zu werfen. Zudem liefert dies einige gute Ideen und Ansätze, um Muster unserer Zeit zu erkennen, die ansonsten nicht leicht erkennbar sind.

Experten, die sich mit Malcolm X befassten, sind sich einig, dass sein Leben bei vielen marginalisierten Gruppen und Völkern Widerhall findet – jenen, die an den Rändern von Paris und Marseille leben, den Roma in Slowakien, jenen in den Favelas Brasiliens, den Arbeitern in den Slums von Mumbai und den Bewohnern der Townships in Südafrika. Diese Einschätzung stimmt zwar, aber sie geht nicht weit genug. Sie ist eine Verengung des Lebens unseres Bruders Malcolm, welches, wie diese kommende Artikelreihe zeigen wird, von Relevanz ist, die über Rasse, Klasse und Zeit hinausgeht.

Grundsätzlich werden wir das Leben des Malcolm X studieren, um das größte Gift unserer Zeit zu diagnostizieren – Angst. Ernst Jünger schrieb sinngemäß, dass die fundamentale Frage in all diesen Turbulenzen sei, ob man den Mensch von Angst befreien könne, eine Aufgabe, die weit wichtiger sei als seine Bewaffnung und seiner Ausstattung mit medizinischer Versorgung. Denn Macht und Gesundheit lägen in den Furchtlosen.

Bewegungen wie Not In Our Name, Occupy Wallstreet, der Arabische Frühling und Fees Must Fall hatten zur Folge, dass einige ihrer Anführer im Gefängnis landeten und anderen lukrative Jobs angeboten wurden, um ihre Widerstandskampagnen zu kompromitieren. Und es hat funktioniert. Alle großen Protestaktionen des 21. Jahrhunderts scheiterten. Heute haben diejenigen, die sich vom Druck überwältigt fühlen, Hoffnung auf wahren Widerstand verloren und fühlen sich gezwungen, sich der Norm anzupassen und bei Unternehmen anzudocken.

Wir müssen uns nun also fragen – gibt es einen anderen Weg? Es gab schon immer Wälder, Täler und Pfade, die von Helden überquert wurden, über deren Abenteuer wir in Büchern lesen. Sie sind aber aus einer anderen Zeit. Seither gab es einen Umbruch innerhalb der Machtstrukturen dieser Welt und diese Veränderung fordert von uns, dass wir neue Muster für den Begriff Freiheit entwickeln, die nichts mit dem sinnentleerten Konzept zu tun haben, welches wir heute mit Freiheit verbinden.

Obwohl die heutigen Aktivisten sich mit dem Gewand der Protestaktionen des 20. Jahrhunderts kleiden, sind sie durch vergleichsweise milden Staatsdruck kollabiert, was wiederum ihre Sinnentleertheit preisgegeben hat. Jemand, der heute etwas verändern will, muss noch immer den Weg wahren Widerstands finden. Um den Pfad der Mutigen und Starken z beschreiten, müssen wir dahin zurückkehren, wo ihre Eigenschaften ins Leben gerufen wurden.

Der Grundgedanke dieser Artikelreihe ist das antike Verständnis von Freiheit. Plinius der Ältere sagte einst „fortis fortuna adiuvat“ – „das Glück ist mit den Mutigen“ –, bevor er die Erruption des Vesuv 79 v.u.Z. untersuchte, in der Hoffnung, seinem Freund Pomponianus zu helfen. Diese Expedition kostete ihn das Leben.

Für die Sängerin Nina Simone war Freiheit nichts weiter als keine Angst zu haben. Wir schauen uns also das Leben von Malcolm X an, um dieses antike Verständnis von Freiheit in seiner Gänze zu beleuchten. Er sagte: „Ich habe keine Angst, vor nichts und niemandem.“

Dies ist das Vorwort zu einer vierteiligen Reihe, die aus den verschiedenen Stufen seines Lebens Bedeutungen herausfiltern wird. Er lebte als Malcom the Mascot, Detroit Red, Minister Malcolm X und schließlich als El-Hajj Malik El-Shabbazz. Lasst uns die Reise antreten.

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KO Masombuka

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