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Zwischen Markt und Moschee (3)

Notizen zur prophetischen Ökonomie, letzter Teil

Foto: Public Domain

(iz). Qadi – Allah, der Erhabene befahl Seinem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, als ein Richter zwischen den Leuten zu handeln. Dazu gehörten notwendigerweise zivile, kommerzielle und strafrechtliche Angelegenheiten. In seinem Verhalten bestimmte er eine Sunna für alle Qadis, die nach ihm kamen. „Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen und zu bewahren, was von dem Buch vor ihm offenbart war. So richte zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat, und folge nicht ihren Launen und Leidenschaften entgegen dem, was dir von der Wahrheit zugekommen ist. Für jeden von euch haben Wir ein Gesetz und eine Praxis festgelegt.“ (Al-Ma’ida, 48)

In einem bekannten Hadith definierte der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, die Grundregeln für Gerechtigkeit. Ibn ‘Abbas überlieferte, dass der Prophet sagte: „Würden die Leute entsprechend ihrer Ansprüche erhalten, dann würden die Leute das Eigentum und Blut der Leute fordern. Ein Beschwerdeführer muss einen klaren Beweis beibringen. Und ein Eid ist für denjenigen verpflichtend, der den Anspruch leugnet.“

Die Bedeutung des ersten Teils dieses Hadith ist als Beweislast bekannt. Sie ist eine absolute Pflicht für die klagende Partei in einem Verfahren. Diese muss den Beweis vorlegen, der die grundlegende Schlussfolgerung in ihre Richtung verkehrt. Dieses Prinzip steht oft in Verbindung mit der klassischen lateinischen Maxime: „Die Notwendigkeit für den Beweis liegt immer bei der Person, welche die Anklage erhebt.“

In einem detaillierteren Hadith über die Urteile in kommerziellen Fällen wird genauer auf diesen Vorgang eingegangen. „Malik überlieferte mir, dass er von ‘Abdullah ibn Mas’ud hörte, wie er diese Aussage des Propheten weitergab: ‘Wenn sich zwei Parteien über einen Handel streiten, dann gilt entweder das Wort des Verkäufers oder sie einigen sich auf die Aufhebung der Transaktion.’“

Hisba – Ebenso handelte der Prophet als ein Muhtasib. Auch hier legte er eine Sunna fest. Der Muhtasib (verantwortlich für die Hisba) inspeziert die Märkte, hat ein Auge auf Gewichte und Maße sowie das allgemeine Verhalten auf dem Verkaufsplatz. Allah erwähnte, dass er, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, über die Märkte ging: „Und sie fragen: ‘Was ist mit diesem Gesandten, dass er Speise isst und auf den Märkten umhergeht?’“ (Al-Furqan, 7)

Es gibt Beispiele dafür, wie der Prophet in dieser Funktion agierte. Abu Huraira berichtete, dass der Gesandte Allahs, Heil und Segen aufihm, an einem Haufen Lebensmittel vorbeikam. Er steckte seine Hand hinein und stieß auf eine feuchte Stelle. Dann fragte er den Verkäufer: „Besitzer der Lebensmittel, was ist das?“ Die Antwort lautete: „Es regnete, oh, Gesandter Allahs.“ Der Prophet sagte dem Verkäufer: „Warum hast Du es dann nicht auf die Lebensmittel gelegt, damit die Leute das sehen können? Wer betrügt, ist keiner von uns.“

Vorwegnahme – Das Treffen von Händlern, bevor sie den Markt erreichen können, um ihre Ware zu kaufen, ist untersagt. Das entzieht den Leuten die Möglichkeit, die Ware auf dem Markt zu handeln. Im traditionellen europäischen Recht war dies ebenfalls untersagt. Von Abu Huraira wurde die prophetische Aussage überliefert: „Zieht nicht hinaus, um die Karawanen für Handel zu treffen …“

Handel und Gewinn – Profit ist nicht das Gleiche wie Ungleichheit, Handel nicht mit Wucher zu vergleichen. „Allah hat den Handel erlaubt und Er hat Wucher verboten.“ (Al-Baqara, 275) Für fleißige und unternehmerische Menschen gibt es unzählige Wege, Gewinn zu machen. Dazu gehören Investitionen im Rahmen eines Qiradvertrages oder als Agent in einer Wakala-Transaktion zu fungieren. Es kann aber auch die Hoffnung auf Gewinn sein, wenn man Waren von einem Markt zu einem anderen bringt, auf dem man einen höheren Preis erwartet.

Schlussfolgerung – Die prophetische Periode in Medina begann mit zwei entscheidenden Angelegenheiten im Hinblick auf den Handel. Eine war die Offenbarung der Sura Al-Mutaffifin, die andere die Gründung des Marktes. Sie endete mit zwei entscheidenden Offenbarungen, die das Geschäftsleben betreffen. Dazwischen gab es viele Offenbarungen über Geschäftspraktiken. Und der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, schuf die Sunna des Geschäfts und Handels bei vielen Gelegenheiten. Darin unterstrich er die Wichtigkeit von Handel und Wirtschaft im Din. (MFAS)

Quellen: Imam Malik „Muwatta’“, Yahya ibn ‘Umar „Ahkam As-Suq“, Imam Al-Qurtubi, „Dschami’ Al-Ahkam“ und Ibn Dschuzai Al-Kalbi „ Al-Qawanin Al-Fiqhija“

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Abdassamad Clarke

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