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Zwischen Phuket und Chiang Mai: Unterwegs auf den Spuren des Islam im Königreich Siam. Von Mohammed Ali Hein

Eine Reise zu Muslimen in Thailand

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(iz). Thailand, das alte Siam – normalerweise assoziiert man mit beiden Namen weiße Strände, prächtige Tempel (Wat) und den Buddhismus. Die wenigsten wissen, dass die zweitgrößte Religion im Lande der Islam ist, vom König (Raja) Bhumipol Rama IX. unterstützt und gefördert. So veranlasste der Monarch die Übersetzung des Qu’ran in Thai, wie auch die Gründung der Ulema Al-Islam oder Chulanrajamontri (Gelehrtenrat der Muslime) und den Bau von Moscheen. Der König fördert des Weiteren das so genannte „Islamic Banking“. Halal-Thailand ist mittlerweile nicht nur eine weltweit bei Muslimen anerkannte Lebensmittel-Marke, sondern verfügt über eine eigene Homepage, auf der sich alles findet, was der Muslim, sei er Thai oder Ausländer, braucht, um die Ernährungsregeln zu befolgen.

Am verbreitetsten ist der Islam im Süden des Landes an der Grenze zu Malaysia. Die Muslime dieser Region gehören in ethnischer Hinsicht zu den Malaien und kämpfen seit Jahren um ihre Autonomie, was den Respekt gegenüber dem Königshaus jedoch keinen Abbruch tut. In urbanen Zentren wie Bangkok, Phuket oder Chiang Mai verteilen sich die ethnischen Zugehörigkeiten auf Chin Ho (chinesische Muslime, im Landeszentrum und in Chiang Mai), Cham (kambodschanische Muslime), Pakistanis, Punjabis, Bengalis, Indonesier und Araber, die zumeist Geschäftsleute sind.

Seit dem 11. September 2001 und der daraus resultierenden anti-muslimischen Stimmung in den USA und der EU verbringen immer mehr Araber (Saudis und Emiratis) ihren Urlaub im islam-freundlichen Thailand, um dort ihre Petro-Dollars auszugeben. Besonders wenn man in Bangkok lebt, fällt dies auf. Moscheen entstehen im Wettlauf mit Bürokomplexen und sind meist ebenso prächtig wie die Tempel thailändischer Buddhisten. Schlendert der Besucher durch die Einkaufs-Zentren oder über die Märkte, fällt dem aufmerksamen Beobachter der hohe Anteil muslimischer HändlerInnen und Halal-Produkte auf.

Kein Einkaufszentrum, das nicht wenigstens in einer Etage muslimische Garküchen oder Restaurants aufweist. Auf Bangkoks Einkaufsmeile finden sich alle Arten muslimischer Restaurants: arabische, bangladeschi, indische, pakistanische, tamilische und natürlich thailändische. Das bekannteste Gericht ist Masaman(Muslim)-Reis in den Varianten Rind und Huhn. Allein in Bangkok gibt es 142 Halal-Restaurants, in Phuket zwei sowie viele Garküchen, in Chiang Mai das „Raan Khao Soy Islam“, sowie viele islamische Garküchen. Bangkok ist eine Millionenstadt, die kosmopolitischer nicht sein könnte und an der sich so manche deutsche Metropole ein Beispiel nehmen kann.

Dank der vielen kulinarischen Genüsse auf Markt, in Einkaufszentren oder Restaurants fällt es muslimischen Einwohnern, Gastarbeitern oder Touristen schwerer, den eigenen Gewohnheiten Genüge zu tun, vor allem im Ramadan. Alle Düfte des Orients liegen in der Luft, ganz gleich in welchen Stadtteil man sich befindet. Garküche grenzt an Garküche. Im Zentrum Bangkoks nahe der Haupt-Post liegt Bangkoks älteste Moschee, die Haroon-Masjid. Sie liegt im „Chinesischen Viertel“, direkt hinter dem berühmten Oriental Bangkok Hotel. Der Eingang in diesen islamischen Teil des Viertels wird durch ein (leider nur in Thai) beschriebenes Schild bezeichnet. Dahinter betritt man enge Gassen, die Soi, voll mit Verkaufsständen, besonders am Freitag, wenn zum Freitagsgebet die Muslime der Umgebung kommen: Thai, Cham, Burmesen, schwarzafrikanische Geschäftsleute und Reisende sowie Pakistanis. Danach begibt man sich in den der Moschee angrenzenden Park. Auch ganz in der Nähe des neuen Flughafens Suvarnabhumi International Airport gibt es große muslimische Stadtteile. So direkt am berühmten und äußerst sehenswerten Rama IX. Park eine Moschee von der Größe eines Doms, außen schlicht und dennoch prächtig weiß, mit zwei Minaretten, gekrönt von zwei goldenen Kuppeln sowie einer zentralen Kuppel. Der Eingangsbereich gleicht dem eines Palastes, innen und außen mit schwarzem und weißem Marmor und getragen von jeweils vier Säulen links und rechts. Im Erdgeschoss befindet sich der Aufenhaltsraum, von dem man über zwei Treppen in den Gebetsraum gelangt – auch dieser mit Marmorboden und Stuck an den Decken.

Für uns mag dies beeindruckend sein. Bedenkt man jedoch, dass mancher reiche Thai Villen in ähnlicher Größe besitzt, schwindet dieser Eindruck. Bangkok verfügt über 165 Moscheen, 570.000 muslimische Einwohner (Tendenz steigend) und 2.475 Imame[1].

Wie alle Thais sind auch die Muslime überaus höflich und wissbegierig. Kleidet man sich zudem angemessen (langärmliges Hemd und keine Shorts oder „Badelatschen“), ist einem der Respekt der Menschen sicher. Englisch ist auch in Thailand die zweite Amts- respektive Geschäftssprache. Es empfiehlt sich jedoch auch, zumindest grundlegende Thai-Kenntnisse zu haben. Etwas Arabisch ist auch nicht verkehrt, will man in muslimischen Geschäften einkaufen und stößt dann auf Sprachschwierigkeiten. Obwohl die staatlich geförderte Schulpflicht in Thailand nur bis zur 6. Klasse geht, beherrschen „Thai-Muslime“, da sie meist Geschäftsleute sind, alle Englisch. Reist man von Bangkok (Zentralthailand) in den Süden, stellt man bald fest, dass die Architektur sich wandelt und eher der Malaysias, Thailands südlichstem Nachbarn, gleicht. Viele der Moscheen in Thailand werden von reichen arabischen Investoren oder Schaikhs gefördert.

Der Süden ist die unruhigste der muslimischen Regionen; zerissen vom Separatismus, wenn auch landschaftlich sehr reizvoll. Bekannteste Stadt des Südens und zweitgrößte Thailands ist Phuket[2]. Für den Muslim, der das ursprüngliche Thailand, Ruhe und Erholung sucht, ist der touristische Süden weniger empfehlenswert. Weiter südlich liegen die „Unruhe-Provinzen“ Narathiwat, Pattani und Yala, aus denen immer wieder Kämpfe zwischen malaiischen Separatisten und Thai-Militär gemeldet werden. Die malaiischen Separatisten dieser Provinzen kämpfen für ein unabhängiges Sultanat, ähnlich dem von Brunei, und lehnen den Anglo-Siamesischen Vertrag von 1909, in dem Siam (Thailand) auf Kedah, Kelantan, Perlis und Terengganu verzichtete, jedoch Narathiwat, Pattani und Yala weiter unter siamesischer Souveränität verblieben. Dieser Konflikt ist nicht religiöser, sondern „nur“ politischer Natur, denn er zielt einzig auf die Autonomie der drei Provinzen als einheitliches Sultanat ab. Dennoch empfiehlt es sich leider, von einem Besuch der Region abzuraten.

In Narathiwat gibt es 487 Moscheen, 1.135.000 Muslime und 7.305 Imame[3]. In Pattani gibt es 551 Moscheen, 1.230.000 Muslime und 8.265 Imame[4], und in Yala 316 Moscheen, 1.088.500 Muslime, 4.740 Imame[5]. Geschichtlich gesehen gehörten alle drei Provinzen zum Sultanat von Pattani, waren jedoch den siamesischen Königreichen Sukhothai und Ayutthaya tributpflichtig. Kurzzeitig erlangten sie ihre Unabhängikeit nach dem Zerfall Ayutthayas zurück, verloren sie aber unter der Regentschaft von Rama I., Gründer der bis heute herrschenden Chakri-Dyanstie, erneut und seit 1909 gehören sie offiziell zu Thailand. Seither versuchen Separatisten mit Gewalt, ihren Wunsch von Patani Darussalam zu verwirklichen. Doch dürften die ländlich geprägten Provinzen, deren Haupteinkommen Landwirtschaft und ein bescheidener Tourismus sind, nicht über die Voraussetzungen zur Staatsbildung und -führung verfügen. Die Gewalt der Separatisten tut ihr übriges, dass sich hier keine Infrastruktur und Wirtschaft entwickeln kann.

Reist man von Bangkok (thail. Khruengthep, die „Stadt der Engel) nach Norden, gelangt man in jenen Teil Thailands, der dem niveauvollen Thai-Reisenden zu empfehlen ist, denn hier dominiert die Landschaft. Reich an üppiger Vegetation und Dschungel, im Schnitt 10 Grad kühler (kalt ist es in Thailand selten), ländlich geprägt und nur drei Stunden von der burmesischen Grenze entfernt kann man sich im Gegensatz zum Trubel in Bangkoks Straßenschluchten und den an den „Ballermann“ erinnernden Stränden des Südens wirklich erholen. Chiang Mai, die Rose des Nordens, ist ein Überbleibsel des alten Lanna-Reiches, welches Siam einst regierte. Statuen wie die der drei Könige und die Stadtmauer mit ihren Wassergraben künden davon. Chiang Mai besitzt 13 Moscheen, 12.000 Muslime (überwiegend Chin Ho) und 195 Imame[6]. Betritt man die Altstadt, erwarten einen leider auch hier die allgegenwärtigen Fastfood-Ketten. Doch weicht man von der Hauptstraße ab, stößt man früher oder später auf muslimische Restaurants und Garküchen. Die größte und älteste Moschee in der Chiang Mai Provinz ist die Ban Ho Moschee. Äußerlich wie im Innern eher schlicht gehalten, wird sie nur von einer smaragdgrünen Kuppel mit goldenen Halbmond gekrönt. Daher mag sie das ungeübte Auge, wie auch die anderen Moscheen der Region, eher übersehen. Zu empfehlen ist das Freitagsgebet in der Ban Ho Moschee (leider nur auf Thai und Arabisch) am Night Bazaar (tagsüber geschlossen) und ein anschließender Besuch in dem angrenzenden Restaurant. Hier treffen sich Muslime zum Plausch und genießen das stets frische Essen. Allerdings darf man hier keinen westlichen Standard erwarten. Mag man Thai-Küche, kommt man hier eher auf seine Kosten als in Restaurants mit westlichen Standard. Achtung, eine Einladung zum (grünen) Tee nicht ausschlagen, das wäre eine Beleidigung! Wer Zucker zum Süßen benutzt, zeigt seine Unkenntnis der chinesischen Sitten. Garküchen und Einkaufsmöglichkeiten für Muslime befinden sich meist bei allen Moscheen. Chiang Mai hat sowohl dem reisenden Muslim wie den normalen Touristen viel zu bieten. Empfehlenswert ist auch die Weiterreise nach Chiang Rai und schließlich Tachilek, die Grenzstadt zu Burma, die zur Zeit der Hadsch Durchgangsstation für uigurische Muslime auf ihren Weg nach Mekka ist. Tachilek ist der Prototyp einer Grenzstadt mit allem, was man sich darunter vorstellt. Viele Reisende benutzen das Flugzeug bei ihren Reisen in Thailand – sie wissen gar nicht was ihnen entgeht.

Empfehlenswert sind hingegen Bahn oder Bus, eine 13-stündige Reise von Bangkok nach Chiang Mai. Erreicht man Tachilek am Busbahnhof, ist man zuerst enttäuscht, doch entschädigt die üppige Vegetation und das ländliche Idyll für die fehlende urbane Strukktur. Orientiert man sich als Muslim zudem nach der Moschee und den durch grüne Aufkleber gekennzeichneten „Restaurants“, kann man nicht in die Irre gehen – der Imam von Tachilek ist sehr hilfsbereit. Schließlich erreicht man den Grenzposten zu Burma, vor dem ein steter Strom von Touristen – Thais und Burmesen hin – und her wogt. Dennoch fand der Kommandant des thailändischen Grenzpostens Zeit, den vor ihm stehenden deutschen Muslim genau zu befragen und dann durchzuwinken – nach etwa 15 Minuten. Ein deutscher Muslim erregt unter den Thais, die so viele Muslime kennen, immer noch große Neugier. Es empfiehlt sich dann immer höflich lächelnd jede Frage zu beantworten – bei Behörden wie bei Muslimen. So wird man bald Teil des Islams in Thailand, der hier selbst von Buddhisten respektiert wird. Buddhisten sind immer wieder beeindruckt, wenn ein Muslim bei 38 Grad im Schatten von Sonnenaufgang bis Sonnenutergang fastet. Besonders, wenn er dabei arbeitet, sei es auf dem Bau oder im Büro.

[1] Wovon 30 dem Chularajamontri angehören.
[2] mit 38 Moscheen, 82.500 Muslimen (Tendenz steigend) und 570 Imamen.
[3] Davon sind 30 in Bangkok im Chularajamontri vertreten.
[4] Davon sind 30 Teil des Chularajamontri.
[5] Wovon auch wiederum 30 in Bangkok vertreten sind.
[6] Von denen 15 dem Chularajamontri angehören.

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